
Tsumami-Zaiku – kleine Stoffstücke werden zu Blüten
Traditionelles japanisches Handwerk gehört für mich zu den schönsten Möglichkeiten, Japan noch einmal auf eine ganz andere Art kennenzulernen. In Tokio durfte ich bei Chikako einen Tsumami-Kanzashi-Workshop besuchen und dabei selbst ausprobieren, wie aus kleinen Stoffstücken filigrane Blüten entstehen.
Tsumami-Zaiku ist eine japanische Handwerkstechnik, bei der kleine quadratische Stoffstücke sorgfältig gefaltet und anschließend zu verschiedenen Formen zusammengesetzt werden. Besonders bekannt ist die Technik durch Kanzashi – traditionelle Haarschmuckelemente, die mit solchen Stoffblüten gestaltet werden können.
Was am Ende so leicht und zart aussieht, besteht aus vielen kleinen, sehr genau ausgeführten Arbeitsschritten.

Zwei Grundformen: rund und spitz
Schon zu Beginn des Workshops wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wirkung einer Blüte allein durch die Art des Faltens werden kann. Zwei wichtige Grundformen sind Maru-Tsumami, bei der ein eher rundes Blütenblatt entsteht, und Ken-Tsumami, das eine spitzere Form hat.
Aus diesen Grundtechniken lassen sich unzählige Blumen und Muster entwickeln. Je nachdem, welche Farben kombiniert und wie die einzelnen Blütenblätter angeordnet werden, kann das Ergebnis ganz schlicht oder sehr aufwendig wirken.
Gerade diese Mischung aus einem eigentlich einfachen Ausgangsmaterial und den vielen Gestaltungsmöglichkeiten fand ich besonders spannend.

Vom kleinen Stoffquadrat zum Blütenblatt
Beim Selbermachen merkt man schnell, wie viel Genauigkeit hinter den kleinen Blüten steckt. Die Stoffstücke müssen sauber aufeinandergelegt und mehrfach gefaltet werden, bevor überhaupt ein einzelnes Blütenblatt entsteht.
Dabei zählt jeder kleine Schritt. Schon eine etwas andere Faltung kann die spätere Form verändern. Gerade das hat den Workshop für mich so interessant gemacht: Man arbeitet sehr konzentriert und sieht gleichzeitig mit jedem neuen Blütenblatt, wie das eigene kleine Kunstwerk langsam wächst.

Meine Farben mussten natürlich Blau und Lila sein
Bei der Farbauswahl musste ich nicht lange überlegen. Blau, Dunkelblau, Lila und Flieder gehören ohnehin zu meinen Lieblingsfarben und passen für mich perfekt zu dieser filigranen Technik.
Besonders schön ist, dass schon zwei unterschiedliche Farbtöne innerhalb einer einzigen Blüte viel Tiefe erzeugen können. Eine kleine Perle in der Mitte gibt dem fertigen Stück anschließend noch einmal einen ganz anderen Charakter.

Wie unterschiedlich Tsumami-Zaiku aussehen kann
Während des Workshops konnte ich außerdem sehen, wie vielseitig diese Technik ist. Manche Blüten bestehen nur aus wenigen größeren Elementen, andere aus vielen kleinen Blütenblättern. Dazu kommen unterschiedliche Mittelteile, Perlen, Knöpfe und natürlich unzählige Farbkombinationen.
So entsteht trotz derselben Grundtechnik jedes Mal etwas völlig anderes. Genau das gefällt mir an traditionellem Handwerk besonders: Man lernt eine feste Technik, kann innerhalb dieser Regeln aber trotzdem seinen eigenen Stil entwickeln.

Über Chikako
Auch diesen Workshop habe ich bei Chikako in Shibuya gemacht. Nachdem ich bei ihr bereits mein eigenes Goshuin-Buch gestalten durfte, konnte ich diesmal eine ganz andere Seite japanischen Handwerks kennenlernen: Tsumami-Zaiku. Besonders schön fand ich, wie ruhig und persönlich sie die einzelnen Arbeitsschritte erklärt hat und wie unterschiedlich die beiden Workshops trotz derselben Kursleiterin waren.
Das fertige Ergebnis
Nach all den kleinen Faltungen ist es ein schönes Gefühl, die fertigen Blüten vor sich zu sehen. Erst dann erkennt man richtig, wie aus vielen unscheinbaren Stoffquadraten Schritt für Schritt ein dekoratives Schmuckstück geworden ist.
Solche Workshops sind für mich deshalb viel mehr als nur eine Aktivität während einer Reise. Ich nehme dabei nicht nur etwas Selbstgemachtes mit nach Hause, sondern lerne gleichzeitig eine traditionelle Technik kennen und bekomme einen kleinen Einblick in die Geduld und Präzision, die hinter japanischem Handwerk steckt.

Tsumami-Zaiku – turning small pieces of fabric into flowers

Traditional Japanese crafts are one of my favourite ways to experience another side of Japan. In Tokyo, I joined a Tsumami-Zaiku workshop with Chikako and had the opportunity to discover how delicate flowers can be created from tiny pieces of fabric.
Tsumami-Zaiku is a traditional Japanese craft in which small squares of fabric are carefully folded and assembled into different shapes. The technique is especially well known for its use in Kanzashi, traditional Japanese hair ornaments that can be decorated with beautiful fabric flowers.
The finished pieces may look light and effortless, but each flower is made from many small and precise steps.

Two basic shapes: rounded and pointed petals
One of the first things I learned was how much the appearance of a flower can change simply through the way the fabric is folded. Two important basic techniques are Maru-Tsumami, which creates a more rounded petal, and Ken-Tsumami, which produces a pointed shape.
These basic folds can be combined in countless ways. Different colours, arrangements and numbers of petals can turn the same basic technique into completely different designs.
I found this especially fascinating because such a small piece of fabric can become the starting point for something surprisingly detailed.

From a tiny fabric square to a petal
Trying the technique myself made me realise how much precision is involved. Each small piece of fabric has to be carefully aligned and folded several times before it becomes a single petal.
Every little step matters, and even a slight difference in the fold can change the final shape. At the same time, it is very satisfying to watch the flower slowly take shape as more and more petals are added.

Of course I chose blue and purple
Choosing the colours was probably the easiest part for me. Blue, navy, purple and lilac are colours I naturally gravitate towards, and I loved seeing how they worked with this traditional technique.
Using two shades within one flower already creates a surprising amount of depth. Adding a pearl or another small decorative element in the centre completely changes the finished look again.

How versatile Tsumami-Zaiku can be
The workshop also showed me just how versatile Tsumami-Zaiku can be. Some flowers are created from only a few larger petals, while others contain many small folded pieces. Different centres, beads, buttons and colour combinations add even more possibilities.
That is something I particularly enjoy about traditional crafts: you learn an established technique, but there is still plenty of space to develop your own style within it.

About Chikako
I also took this workshop with Chikako in Shibuya. After creating my own Goshuin book with her, I was able to discover a very different side of Japanese craftsmanship this time: Tsumami Zaiku. What I especially enjoyed was the calm and personal way she explained each step and how different the two workshops felt, even though they were both taught by the same instructor.
The finished Kanzashi
After working through all those tiny folds, seeing the finished flowers is especially rewarding. Only then do you really notice how a collection of simple fabric squares has gradually turned into a delicate decorative piece.
For me, workshops like this are much more than just another activity during a trip. I get to take home something handmade while also learning about a traditional technique and experiencing some of the patience, precision and care behind Japanese craftsmanship.
